lkf preisverleihung 1
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Feierliche Preisverleihung am 7. April 2019 in der Kreissparkasse Köln


Köln, den 7. April 2019
Das Lew Kopelew Forum verleiht im Jahr 2019 den nach ihm benannten „Preis für Frieden und Menschenrechte" an den Kapitän Claus-Peter Reisch und die Dresdner Seenotrettungsinitiative „Mission Lifeline e.V.

„Die Preisträger haben im Mittelmeer aus eigenem Antrieb unter mutigem, persönlichem Einsatz zahlreiche Menschen vor dem Tod durch Ertrinken gerettet. Sie versuchten mit vergleichsweise bescheidenen und durch Spenden erworbenen Mitteln mit ihrem Schiff zu verhindern, dass sich Teile des Mittelmeers in einen stillen Friedhof verwandeln und das konkrete Schicksal der betroffenen Menschen und ihrer Lebensgeschichten in der Öffentlichkeit nicht oder nicht mehr wahrgenommen wird", sagte Thomas Roth, Vorsitzender des Lew Kopelew Forums, in seiner Preisbegründung. „Damit ehrt der Preis das humanitäre Anliegen der Initiative auch stellvertretend für viele andere Seenotretter im Mittelmeer."

Anschließend folgte ein Grußwort von Kardinal Reinhard Marx, Erzbischof von München und Freising und Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz, gelesen von dem Sprecher Bernt Hahn.

Zur Veranstaltung:
Die Veranstaltung wurde eröffnet von Alexander Wüerst, Vorstandsvorsitzender der Kreissparkasse Köln und stellvertretender Vorsitzender des Lew Kopelew Forums, am 7. April 2019 vor über 500 geladenen Gästen in der Kassenhalle der Kreissparkasse Köln.
Die Festrede hielt Jean Asselborn, Außenminister des Großherzogtums Luxemburg und Minister für Immigration und Asyl. Er erinnerte in seiner Ansprache an die gemeinsamen Werte der Europäischen Union und plädierte eindringlich für eine solidarische EU-weite Lösung in der Asyl- und Migrationspolitik: "Es ist nicht ermutigend schlussfolgern zu müssen, dass in Europa auf materieller Ebene, Vernunft, Disziplin und Einsicht zur Solidarität und Verantwortung bestehen, dass aber, wenn es um menschliche Werte geht, also um die Menschenwürde oder um die Einsicht, dass Kriege und Destabilisierung Menschen in die Flucht treiben, eine Blockade einsetzt, die im Grunde genommen in der europäischen Kultur der Menschenwürde - ganz zu schweigen von der Verinnerlichung unserer eigenen Geschichte - ein No-Go sein müsste. Dies umso mehr, da die europäischen Verträge unzweideutig sind", sagte Asselborn.
Dann wandte er sich an den Preisträger Claus-Peter Reisch als einen der Vertreter von „Mission Lifeline e.V." und würdigte sein Engagement: „Heute wird hier ein Mann geehrt, dessen Mut ich sehr bewundere, dessen Wille und Einsatz, um Menschen, die in äußerst schwierigen Gegebenheiten leben, eine Chance zu geben, eigentlich ein Vorbild sein sollte. Kein Fall für die Justiz. Der Preisträger Claus-Peter Reisch und der Namensgeber des Preises, Lew Kopelew, sollten uns inspirieren und uns anspornen gegenzuhalten. Gegen die Gleichgültigkeit."

Die musikalische Untermalung gestaltete Sebastian Krumbiegel. Der 1966 in Leipzig geborene Künstler studierte an der Leipziger Musikhochschule Schlagzeug und Gesang, bevor er in den 1990er Jahren mit der Musikgruppe „Die Prinzen" zu einer der erfolgreichsten Bands nach der Wiedervereinigung avancierte. Krumbiegel, der auch als Solokünstler aktiv ist, wurde für sein Eintreten für Bürgerrechte und Zivilcourage sowie für sein soziales Engagement mit mehreren Preisen ausgezeichnet, u.a. 2012 mit dem Humanistenpreis des Deutschen Altphilologenverbandes und ebenfalls 2012 mit Bundesverdienstorden.

Die Preisträger:
Claus-Peter Reisch, geb. 1961, ist gelernter KfZ-Mechatroniker und Skipper der „Lifeline" . Reisch stammt aus der bayrischen Stadt Landsberg am Lech und führt eine Industrievertretung für Sanitär- und Heizungsprodukte. Bei einem Urlaub in Griechenland im Jahr 2015 kam er erstmals direkt mit der Flüchtlingskrise in Berührung und entschloss sich daraufhin, flüchtende Menschen aus dem Mittelmeer zu retten. Er ist als Skipper Inhaber eines Sportseeschifferscheins. Im April 2017 startete Reisch für die Regensburger Organisation „Sea-Eye" seine erste Mission im Mittelmeer. Bekannt wurde er durch seine Tätigkeit als Schiffsführer des Bootes „Lifeline" der "Mission Lifeline e.V.", die Bootsflüchtlinge aus dem Mittelmeer gerettet und in europäische Häfen gebracht hat. Reisch wurde bereits mit mehreren Preisen ausgezeichnet wie dem Europapreis (Juli 2018), dem Menschenrechtspreis der Österreichischen Liga für Menschenrechte (Dezember 2018) sowie dem Löwenherz-Preis der Organisation „Human Projects" (März 2019).

Bildunterschrift:
Gruppenbild mit Preisträgern, Festrednern und Veranstaltern v.l.n.r. bei der Preisverleihung in der Kassenhalle der Kreissparkasse Köln am Neumarkt
Alexander Wüerst, Vorstandsvorsitzender der Kreissparkasse Köln
Martin Ernst, 1. Offizier der „Lifeline"
Anja Barthel, Mitglied bei Mission Lifeline e.V.
Jenny Scholze, Mitglied bei Mission Lifeline e.V.
Claus-Peter Reisch, Kapitän der „Lifeline"
Hermine Poschmann, Mitglied bei Mission Lifeline e.V.
Annet Steier, Mitglied bei Mission Lifeline e.V.
Axel Steier, Vorsitzender von Mission Lifeline e.V.
Jean Asselborn, Außenminister des Großherzogtums Luxemburg und Minister für Immigration und Asyl
Thomas Roth, Vorsitzender des Lew Kopelew Forums
Foto: Kreissparkasse Köln



Anlage:

Lew Kopelew Preis:
Der undotierte Preis wird seit 2001 jährlich vom Lew Kopelew Forum in Köln verliehen. Damit will das Forum Menschen, Projekte oder Organisationen auszeichnen, die im Sinne Lew Kopelews tätig sind: „Wir wollen mit der Preisverleihung die Arbeit der Preisträger bekannter machen und gleichzeitig uns selbst verpflichten, nach den lebendigen Fortsetzern des Wirkens von Lew Kopelew zu suchen, den Kontakt mit ihnen zu halten und weiter zu pflegen".

Übersicht Preisträger:
2001: die internationale Minenräumorganisation HALO Trust
2002: die russische Menschenrechtsorganisation „MEMORIAL"
2003: der israelische Publizist Uri Avnery gemeinsam mit dem palästinensischen Politologen und Philosophen Sari Nusseibeh, Mitbegründer der "Gush Shalom-Friedensbewegung"
2004: Polnische Kulturgemeinschaft "Borussia", Olsztyn/Allenstein, Polen
2005: Sainap Gaschajewa, Menschenrechtlerin/ Tschetschenien
2006: Professor Dr. Hans Küng, international bekannter Theologe und Autor
2009: Siegfried Lenz, einer der bekanntesten deutschsprachigen Schriftsteller der Nachkriegs- und Gegenwartsliteratur
2010: Nowaja Gaseta, Neue Zeitung in Moskau
2012: Berthold Beitz, deutscher Unternehmer
2013: engagierte Menschen aus Syrien, die Friedensaktivistin Suaad Tayeb sowie die Ärzte Ammar Zakaria und Abulkader Abdulrahim
2015: engagierte Persönlichkeiten aus der Ukraine und Russland, die ukrainische Sängerin Ruslana Lyschytschko, der russische Sänger Andrej Makarewitsch, der russische Kinderbuchschriftsteller Eduard Uspenskij und der Ukrainer Jewgenij Zacharow, Mitgründer des Büros der Menschenrechtsorganisation „Memorial" in Charkow.
2016: Wladimir Woinowitsch, russischer Schriftsteller und Satiriker
2017: Lew Gudkow, russischer Soziologe, und Can Dündar, türkischer Journalist
2019: Kapitän Claus-Peter Reisch und die Seenotrettungsinitiative „Mission Lifeline e.V."